nachgefragt: Dr. Annette Schavan

Der Charme der Annette Schavan

Vielen Fragen zu ihrer Politik aber auch zu ihrem Privatleben stellte sich Frau Dr. Annette Schavan vergangenen Freitag bei Nachgefragt im Rotteck-Gymnasium. Als Moderatoren im ersten Gespräch dieses Schuljahres waren Lisa Grüny und Jacob Hess am Start. Unter enormem Arbeitsaufwand und unter großem Zeitdruck wurden sowohl Moderatoren als auch die Seminarkursleiter an ihre Grenzen geführt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Aufgrund eines vor allem in Studentenkreisen nicht unumstrittenen Gesprächgastes mussten einige Gäste den Abend vor der Tür verbringen. Auch ein verzweifeltes „Annette, wir wollen auch rein“ brachte sie nicht weiter. Doch Annettes Schavans Ausruf „In was für einem Viertel bin ich denn hier?“ fiel nicht in diesem Zusammenhang, sondern als es um Bildungsgerechtigkeit und die Chancenlosigkeit in einem Freiburger Stadtteil ging. Auf eine provozierende Frage, ob sie indirekt daran schuld sei, konterte sie gelungen mit diesem Ausruf, der Lacher im Publikum hervorrief.

Nach einem netten Anstoßen auf die Exzellenz-Universität Freiburg wurde nach einer Gerechtigkeitsdefinition das Thema der stark kritisierten Studiengebühren angesprochen. „Jedem das, was er braucht“: nach Annette Schavan die Beste von vier möglichen Definitionen, ein kleiner Beitrag in Form einer Reli-Hausaufgabe.

Die Studiengebühren lobte sie wie erwartet in höchsten Tönen (welche sie später allerdings nur bedingt auf der Querflöte zustande brachte). Ihrer Meinung nach sollten Schüler und angehende Studenten „nicht abhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern sein“; Eine Aussage, die klar im Gegensatz zu ihrer Bildungspolitik steht. Annette Schavan gab offen zu, dass im Bildungssystem in Deutschland eine Schwachstelle vorliegt und dass schulische Leistung stark mit der sozialen Herkunft zusammenhängt.'

Dennoch findet sie, dass Studiengebühren richtig sind, da die Studenten damit zeigen können, dass ihnen ihre Bildung wirklich wichtig ist. „Bildung ist die beste Investition“, wie sie mehrfach betonte. Studiengebühren hält sie für fair, da Auszubildende sich auch selbst beteiligen müssen. Außerdem ist es ihrer Ansicht nach kein Problem neben dem Studium zu arbeiten, sie habe es ja auch geschafft.

Die erneute Bafögerhöhung ist für sie ein Schritt in die richtige Richtung. Auf die Frage, was mit Menschen passiert, die sich wegen ihrem Studium verschuldet haben und anschließend keinen Arbeitsplatz finden, antwortete sie nicht konkret.

Unerwartet menschlich und sympathisch verhielt sie sich auf der Bühne, vor allem den Moderatoren Lisa und Jacob gegenüber. Es entwickelte sich schnell eine lockere Atmosphäre und man merkte den Beiden an, wie sie mehr und mehr Spaß und Eifer entwickelten. Allerdings waren die Moderatoren angesichts Schavans exzellenter Rhetorik gelegentlich leicht überfordert, da es schwer war, sie zu direkten Antworten zu verführen. Manche Fragen blieben ungeklärt.

Bereits unser OB Dieter Salomon beschrieb sie einmal als „viel zu intelligent für Politik“. Viel zu intelligent war sie in der Tat und redete sich aus jeglicher Provokation ohne Mühe heraus.

Auch an diesem Abend ging es wie bereits bei den letzen Gesprächen auf die Actionbühne. Auf zwei mit Kunstrasen belegten, umzäunten Podesten wurde über das Lieblingsbuch ihrer Kindheit berichtet: Tom Sawyer.

Annette Schavan und Jacob saßen eng zusammen auf einer Gartenbank und daneben Lisa auf einem Eimer. Diese Nähe schuf eine gelockerte Stimmung und brach die Distanz zwischen Moderatoren und Gast auf. Annettes Aufgabe war es, eine Arbeit nach Tom Sawyers Vorbild zu erledigen. Dieser sollte einen Zaun anstreichen, schaffte es allerdings, nicht ganz ohne List, dass seine Freunde dies für ihn übernahmen. Genauso lautete auch der Auftrag an die Bundesministerin für Bildung und Forschung. Ohne langes Zögern drückte sie den jüngsten Zuschauer in der ersten Reihe die Pinsel in die Hand und zu deren Motivation noch einem Lehrer. Wir hätten etwas mehr von ihr erhofft.

Der letzte Programmpunkt des Abends war die berühmt-berüchtigte AngreifBAR. Hier berichtete sie wie im bereits vergangenen Teil des Gespräches ausführlich von ihrem Privatleben - vielleicht etwas zu ausführlich.  

Annette Schavan erzählte über Ferien am Bodensee, ihre Wohnung, die Beziehung zu ihren Freunden und ihrer Familie und über ihre Lieblingsmusik. Wie jedoch schon im politischen Teil blieben die wirklich interessanten Dinge unausgesprochen, trotz unserer vergeblich nachhakenden Moderatoren.