nachgefragt: Dr. Bernhard Bueb

Erziehung zur Disziplin bei „nachgefragt"

Natürlich, interessant, unterhaltsam - sein ganzes Können zeigte das Team von „nachgefragt“ am Montagabend, dem 23. Juni 2008, in seiner letzten Veranstaltung vor den Sommerferien: Rede und Antwort stand Dr. Bernhard Bueb.

Der Philosoph und katholische Theologe erteilte den beiden Moderatoren, Lisa Grüny und Simon Braun, bei einem Abendmahl Unterricht in (Tisch-)Manieren. „Kultiviertes Essen ist ja ein hochbildender Vorgang“, so Bueb. Doch „Höflichkeit ist Lüge“, aber es sei besser höflich als ehrlich zu sein. Er beteuert: „Ich möchte nicht ehrlich bedient werden von meiner Umwelt“.

Als Sohn von Kaffeeplantagenbesitzern 1938 in Tansaniageboren und in Rhodesien hinter Stacheldraht aufgewachsen, kommt er im Alter von 9 Jahren nach Deutschland. Er bezeichnet sich selbst als „ein klassischer Spätentwickler“ und „schlechter Schüler“. Als „nett, aber dumm“ abgestempelt, glaubt er bei seiner Aufnahme ins Gymnasium bis heute an eine „Verwechslung“. Dort bangte er jedes Jahr um seine Versetzung – bis er in der 8. Klasse die „richtige Lehrerin“ fand. „Sie war die Erste, die an mich glaubte“, erzählt Bueb, womit sie ihm den nötigen Glauben an sich selbst verschaffte, den erheute für jeden Schüler so wichtig findet. In Mathematik sei er eine „Katastrophe" gewesen, weswegen er in der Schule „jeden Morgen eine Viertelstunde früher da [war], um die Mathematikhausaufgaben abzuschreiben“, was seiner Ansicht nach eine sehr große Leistung war. Sein mündliches Matheabitur löste er philosophisch:„Es hat ja keinen Sinn jemanden zu prüfen, wo nichts ist“, meint er.

Trotz dieser Schülerkarriere – oder gerade deswegen – wird er Pädagoge. Laut „BILD“ ist Bueb „der strengste Lehrer Deutschlands“, was er, der bis heute lieber im Brockhaus nachschlägt als im Internet recherchiert, selbst bedauernd dementiert und als „ironisch gemeint“ sieht.

Dennoch führte er als Gründer und langjähriger Leiter (31 Jahre) des Eliteinternats Schloss Salem am Bodensee dort die „täglichen Urinproben und Alkoholtests für Schüler“ ein, was für Furore sorgte. – Und das, obwohl er schon mal gerne den einen oder anderen Cognac trinkt und guten Wein liebt. Diese Kontrollen finden statt nach dem Motto: „Wir entlasten die Schüler davon, lügen zu müssen.“ Bueb sieht das Problem des Alkohol- und Drogenkonsums von Jugendlichen auch in der „Verführung durch die Gruppe“. Er plädiert dafür, dass Eltern ihre Kinder mehr fordern: „Wir müssen sie doch vorbereiten auf die Welt der Erwachsenen.“

Mit seinem Buch „Lob der Disziplin“ kritisiert er nicht nur das deutsche Schulsystem aufs Schärfste, sondern entfacht heiße Diskussionen über die Grundlagen richtiger Erziehung und das Verhältnis der Deutschen zu Autorität und Macht. „Das Buch ist ein Appell an die Erwachsenen, erwachsen zuwerden“, betont er. Das Hauptdefizit der Jugendlichen heute ist seiner Meinung nach der „Mangel an Gemeinschaft und der Mangel an emotionaler Zuwendung von Erwachsenen“. Bueb sagt: „Der Bildungsnotstand ist eine Folge des Erziehungsnotstands.“ Außerdem müsse das Ziel von Bildung sein, „dass durch die Vermittlung von Wissen das Selbstwertgefühl des Kindes gesteigert wird“ und der Lehrplan von den Lehrer/innen nicht nur stur erfüllt werde. Sie hätten auch eine Vorbildfunktion.

Doch Vorbilder seien in der heutigen Zeit rar gesät: Seine sind z.B. Angela Merkel, Helmut Schmidt, Ursula von der Leyen, Reinhold Würth –außerdem ist er ein Fan von Goethe. Auch Musik spiele eine wichtige Rolle und so legt er mit der charmanten Moderatorin einen „Walzer rechts rum“ aufs Parkett. Als er zum Schluss Wein und Rotteck-Schulbienenhonig überreicht bekommt, gibt er nicht nur eine Anekdote mit einer neuen Definition von„Mitgift“ zum Besten, sondern zeigt sich auch sehr angetan von „nachgefragt“, dessen Team sich bei der Verabschiedung von Bueb erstmals gemeinsam dem Publikum präsentiert.

Sulaiman Ahmed Fadel