nachgefragt mit Ernst Ulrich von Weizsäcker

Mit einiger Verspätung begann das zweite Nachgefragt-Gespräch in diesem Schuljahr. Diesmal war der Klimaforscher und Physiker Ernst Ulrich vonWeizsäcker - nach seinem Onkel Richard bereits der zweite Gesprächspartner aus dem Hause Weizsäcker - zu Gast am Rotteck Gymnasium. Interviewt von Katrin Kurki und Anna Passlick offenbarte Weizsäcker einige Details, die von ihm eigentlich nicht zu Erwarten waren.

Bereits auf der Actionbühne, die dieses Mal eine Art „Ökobühne“ darstellen sollte, machte Weizsäcker klar, dass dieser Abend für ihn zum Erzählen gut geeignet schien. Unter einem übergroßen Fußabdruck beantwortete der gut gelaunte Gast die Fragen, die ihm gestellt wurden, stets überlegt und häufig ausschweifend. Dieser Umstand ermöglichte es einige Anekdoten aus dem Hause Weizsäcker zu hören. So erfuhr man beispielsweise, dass er fast immer mit Pilzen koche. Wegen der Kinder gäbe es als Beilage häufig Nudeln. Bis jetzt sei das immer gut gegangen. Zudem koche er nur mit einheimischem und jahreszeitlichem Gemüse. Es sei Blödsinn, im Winter Kopfsalat essen zu wollen.

„5 Mal soviel Wohlstand aus einem Fass Öl“

Dieser Satz sei richtungsweisend für den Klimaschutz. Weizsäcker ist der Meinung, dass die Menschen aus jedem Gut 5-mal so viel Wohlstand erzielen könnten, wenn sie denn nur wollten. Allein diese Veränderung reiche schon aus, um den Klimawandel zu stoppen.

Außerdem sei es ein Unding, Obst oder Gemüse aus Südamerika zu importieren,wenn man sie auf einheimischem Boden genauso gut anbauen könne. Hinzu kommt,dass die Preise der ausländischen Waren häufig günstiger seien, als die der Einheimischen. Die Preise müssten konkurrenzfähig sein, so Weizsäcker. Also sei es politische Pflicht, die Subventionen nicht einheimischer Waren zu stoppen.

Im Allgemeinen lässt der Klimaforscher durchblicken, dass niemand „frieren“ müsse, um den Klimawandel zu stoppen. Es sei dennoch wichtig, mit der Energie und den Ressourcen elegant umzugehen. In seinen Augen bedeutet das zum Beispiel die mehrfache Verwendung von Energie, in Form eines Passivhauses. Natürlich könne sich nicht jeder ein solches leisten, aber allein dieser Umstand sei grotesk. In diesem Zusammenhang frage er sich beispielsweise auch, wieso in Amerika die Putzfrau ein „Dinosaurierauto“ fahre und der Millionär ein Hybrid. Klimaschutzdarf nicht vom Geldbeutel abhängen. Das ist Weizsäckers Botschaft über den gesamten Abend.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist für den britischen Ökonom Nicholas Stern „die wichtigste Konferenz nach dem zweiten Weltkrieg“. Die Frage, ob Weizsäcker dies genau so sehe, bejahte er, zumindest was die Thematik anginge.Er selbst glaube zwar nicht an die Ratifizierung eines neuen Vertrages, dennoch sei es wichtig besonders den unzufriedene Schwellen- und Entwicklungsländern ein besonderes Augenmerk zukommen zu lassen. Man müsse sich mit diesen auf ein geeignetes Modell einigen. In Bezug darauf erklärt Weizsäcker, dass er das Modell der gleichen pro-Kopf Emissionsrechte für geeignet halte. Dies könnte bei richtiger Anwendung viele Probleme lösen.

Wieso er als Umweltschützer eigentlich Mitglied bei der SPD und nicht beiden Grünen sei? So eröffneten die Moderatoren den politischen Teil. Nach kurzer Überlegung erklärte Weizsäcker, dass die Grünen mit ihrem Programm nicht die Mehrheit der Bevölkerung beeindrucken würden. Das entspräche nicht seiner Meinung von Politik. Außerdem hätte es die Grünen damals noch gar nicht gegeben. Dennoch sei es wichtig, dass es die Grünen gäbe.

Nach einem ausgelassenen Talk an der Angreifbar war ein gelungener Abend vorüber. Zum Schluss erfuhr man noch, dass Weizsäckers schönster Platz ein Bett sei in dem man gut schlafen könne.