nachgefragt: Richard von Weizsäcker

Geschichtsstunde bei Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker

Nachgefragt mal anders: Anstatt im vertrauten Ambiente mit Actionbühne, Angreifbar und Publikum im Rotteck-Gymnasium, war der Nachgefragt-Kurs zu Gast bei Richard von Weizsäcker in Berlin. In seinem Dienstsitz in Mitte erzählte der 87-jährige Alt-Bundespräsident von seinen Erlebnissen im zweiten Weltkrieg, vom Zuspätkommen zum Mauerfall, äußerte sich zum Irak-Krieg und forderte von den Schülern mehr politisches Engagement.

Schon bei der Frage der anstehenden Präsidenschaftswahlen in den USA wird klar, dass der Christdemokrat Richard von Weizsäcker keinen starren Parteilinien folgt: Er wünscht sich einen Demokraten im Weißen Haus, aber wen genau, darauf will er sich nicht festlegen.

„Ich spreche jeden Tag mit meinen Söhnen darüber, die sind alle für Obama. Aber ihn kenne ich, im Gegensatz zu Hillary nicht. Barack Obama kennen wir ja alle nicht, er war ja noch nie hier.“ Dem neuen US-Präsidenten hat George W.Bush nach Meinung von Weizsäckers ein großes Stück Arbeit hinterlassen. „Der Irak-Krieg ist nicht nur verantwortungslos für die USA, sondern für die ganze Welt.“

Auch vor Kritik an Parteikollegen scheut von Weizsäcker nicht zurück. Er plädiert dafür, aktuelle Probleme nicht für Machtkämpfe zu instrumentalisieren; angesichts der Ergebnisse der Landtagswahl in Hessen einklarer Seitenhieb in Richtung Roland Koch.

Der Schwerpunkt des Gesprächs liegt jedoch in der Vergangenheit,die stets seine und zugleich deutsche Geschichte ist: Von Weizsäcker erzählt lebhaft und emotional von seinen Erlebnissen als junger Soldat in Polen, der Verteidigung seines Vaters bei den Nürnberger Prozessen, seiner Zeit als Bürgermeister von Berlin und natürlich auch dem Mauerfall, zu dem er zwei Stunden zu spät kam, weil er auf Dienstreise in Bayern war.

Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erlebnisse als 17-jährigerSoldat in einem totalitären Regime fordert er von der jungen Generation mehr gesellschaftliches Engagement. „Man muss sich für die Politik interessieren, und dazu gehört, auch mal nach Sachsen-Anhalt, anstatt nach Mallorca zufahren.“

Eine Botschaft, die dem 87-jährigen überaus wichtig scheint. Zum Abschluss des Gesprächs schreibt Richard von Weizsäcker den Schülerinnen und Schülern in in das Nachgefragt-Gästebuch: „Meine Erwartungen und Hoffnungen an Ihre Generation sind groß.“

Ein Video-Dokument finden Sie unter www.fudder.de