2002/2003 - Ödipus

Ödipusvariationen

Die Ödipussage existiert, wie fast jede andere Sage auch, in vielen verschiedenen Variationen und Fassungen. Das Grundgerüst ist allerdings überall gleich.
Eine alte Form der Geschichte besagt zum Beispiel, dass Laios, als er Ödipus begegnete, von Iokaste begleitet wurde und dass Ödipus nach dem Mord an seinem, bisher unbekannten Vater, in die Berge flüchtete. Hier bleibt natürlich die Frage offen, warum Iokaste den Mörder ihres Mannes dann später heiratet. Es besteht die Vermutung, dass er sich nach der Ermordung des Vaters, der Mutter ermächtigte und durch sie die Herrschaft über Theben erlangte.

Auch ist von alten Erzählungen überliefert, dass Ödipus Kinder Eteokles, Polyneikes, Antigone und Ismene gar nicht aus der Ehe mit Iokaste hervorgingen, sondern aus der Verbindung mit seiner zweiten Frau Euryganeia. Es ist aber auch gut möglich, dass beide Namen die gleiche Frau meinen.
Ebenfalls unterschiedliche Erklärungen werden dafür geliefert, dass Teiresias, der Seher, blind ist. Einmal soll er erblindet sein, weil er die Athene nackt sah, ein anderes Mal, weil er zwei schlangen beim Liebesspiel sah. Allerdings geht es bei beiden Varianten darum, dass er etwas erblickt hat, was er nicht hätte sehen dürfen und deshalb geblendet wurde.

Der Grund für die Blindheit Ödipus ist ja bekannter weise diese, dass er sich, nachdem er von seiner Schandtat erfuhr, sich um sich selbst zu strafen, die Augen ausstach.
Es wurde aber auch behauptet, dass nicht er selbst, sondern die alten Waffengefährten des Laios ihn erblinden ließen, um den Tod zu rächen, nicht wissend, dass Ödipus der Sohn war.
In den „Phönizierinnen“ des Euripides tötet sich Iokaste nicht sogleich nach der Entdeckung ihrer Schande, sondern bringt sich erst vier Jahre später über den Leichen ihrer Söhne um, die sich gegenseitig umgebracht haben.

Auch um den Tod des Ödipus gibt es viele Mythen: Eine weit verbreitete Variante ist, dass Ödipus auf einen Schlachtfeld, sein Mutterland verteidigend, gestorben sei.
Es existiert aber auch die Erzählung, dass er auf dem Kolonos starb, wo die Erinnyen ihren nicht zu betretenden Hain besaßen. der blinde Ödipus wurde von der Gottheit Zeus durch Donner und Blitz bis hin zur Unterwelt geleitet.
In einer dritten Variante heißt es, Ödipus fand dort den Tod, wo er einst auch durch Hirtenhand ausgesetzt wurde und seinen Vater tötete. Dort zeigt man auch sein Grab. Seine Angehörigen wurden in Theben bestattet, was die Thebaner nachdem die Wahrheit über Ödipus ans Licht kam, nicht duldeten und man sie umbestatten musste. Sie wurden dann am selben Ort wie Ödipus begraben. Als in diesem Ort Unglücksfälle geschahen, gab man dem Grab des Ödipus die Schuld und begrub ihn heimlich in Eteonos, nicht wissend , dass dieses im heiligen Bezirk der Demeter lag. Da es gegen den Willen der Götter gewesen wäre, ihn dort wieder wegzubringen, ließ man sein Grab dennoch an dieser Stelle. Seither heißt dieser Ort „Heiligtum des Ödipus“.

Projektarbeit Deutsch/Klasse 11b/2000/2001

Io – die Mondgöttin

Noch ein Wort zur Figur der Io, die scheinbar falsch in die Geschichte von Ödipus geraten ist. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Jokaste und Io dieselbe Person sind: die Verkörperung der Mondgöttin Isis, die mit Kuhhörnern und einer Mondscheibe dargestellt wird. Psychologen zweifeln: Ist der Ödipuskomplex nur ein Mythos?

Vor etwa 100 Jahren führte der bekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud den Begriff des Ödipuskomlexes ein. Er diente als zentrales Element bei der Erklärung neurotischer Störungen. Die Bezeichnung Ödipuskomplex knüpft an die Mythologie an. Nach Freud hängt an der Art der Lösung der familiären Dreieckskonstellation ab, ob das Kind zum Neurotiker wird oder nicht. Der Begriff ist längst in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen, wird aber in einer Dreieckskonstellation meist nur verzerrt wiedergegeben.

Durch die Untersuchungen der Psychologen Jannette Roos und Werner Greve an 130 Kindern und deren Eltern ist die Theorie Freuds ins Wanken geraten. Nach der Untersuchung sind Greve und Roos zu der These gelangt:“ Die Freudsche Theorie ist im Kern schlichtweg falsch.“ Die Kinder bevorzugten emotional weder den weiblichen noch den männlichen Elternteil. Auch die Eltern stellten derartiges nicht fest. Daraus schloss man, dass ödipale Konstellationen die absolute Ausnahme darstellen.“ Das Verhalten des Therapeuten, und nicht seine Theorie, erzielt die Effekte einer Therapie.“

Adolf Grünbaum. „Die Tatsache, dass Aspirin Kopfschmerzen vertreibt, beweist natürlich nicht, dass Aspirinmangel die Ursache dieser Schmerzen war.“
Jeannette Roos und Werner Greve sind der Meinung, dass wenn eine ödipale Konstellation im Einzelfall auftritt, man bei dem Patienten nach Freuds Art die Kindheitserlebnisse untersuchen und die Störungen identifizieren sollte. Das ist das einzigste, was nach Auffassung der Beiden am „Mythos Ödipuskomplex“ zu retten ist.

Projektarbeit Deutsch/Klasse 11b/2000/2001

Ensemble

Prolog: Raphaela Heck
Junger Ödipus: Ann-Carole Wagner
Erwachsener Ödipus: Eugen Demburg
Jokaste: Corinna Charaloumbidou
Theresias: Maria Deger
Lajos: Dominik Lekron
Bote: Colin Brüggemeier
Junger Chor: Caecilia Managó, Lina Lenninger, Lisa Brücher
Alter Chor: Caroline Lederer, Jasper Brenner, Kilian Flaig, Livia Giuliani
Sphinx: Julia Liebetrau
Polibos: Niklas Siefert
Periboa: Julia Schuster
Jubelnde: Bianca Hölz, Lina Lenninger, Lisa Husson
Trauende: Caecilia Managó, Lorenz Winker, Raphaela Heck
Hirte: Niklas Siefert
Io: Lisa Husson
Mädchen: Lina Lenninger
Mädchen: Raphaela Heck
Diener: Bianca Hölz
Diener: Filip Ebner
Mann: Lorenz Winker
Abzugslied: Raphaela Heck

Maske: Christine Kröpelin
Kulisse: Kunstprojekt/6c unter der Leitung von Herrn Zimmer
Musik/Ios Lied: Wolfgang Thimm
Klavier: Livia Giuliani, Lisa Husson
Titelblattgestaltung: Sophie Huttmann
Regie: Constanze Fuhrmann      

Äußerungen der Schauspieler

„An der Rolle gefällt mir die Ausdrucksweise von Ödipus. Außerdem hat er so viele Charakterzüge in sich.“
Eugen

„Ich bin in so vielen Szenen dabei. Das gefällt mir. Außerdem bin ich nie allein auf der Bühne.“
Lisa B.

„Das Böse... das ist es, was mir an der Rolle gefällt!“
Julia L.

„So ein Chor hat keine tragende Rolle, habe ich zuerst gedacht und war unzufrieden. Im Laufe der Zeit fand ich mich immer besser ein und merkte, wie sehr die Rolle zu mir passte.“
Caecilia

„Mir gefällt an meiner Rolle, dass ich die Zuschauer durch das Stück führen darf.“
Lina

„Ödipus ist eine sture Person. Ich finde meine Rolle ziemlich gut.“
Ann-Carole

„Meine Rolle strahlt eine gewisse Ruhe aus. Das entstresst mich. Io ist rätselhaft, auch das gefällt mir gut.“
Lisa H.

„Lajos gefällt mir gut. Er ist ausdrucksstark und mächtig.“
Dominik

„Der Hirte hat so viel Erfahrung und stellt in diesem Stück auch so Einiges klar.“
Niklas

„Ich freue mich, dass ich mal etwas Anspruchsvolleres spielen kann.“
Maria

„Die Art und Weise aufzutreten, das finde ich gut.“
Caroline

„Mehr schauspielern als sprechen, das ist etwas für mich.“
Raphaela

„Ich trage zur Auflösung der Geschichte bei.“
Colin

„Die Kleidung ist einfach interessant.“
Kilian

„Ich darf auf der Bühne lachen.“
Bianca

„Puuh, so viel Text lernen...“
Eugen

„Ich finde es schön, eine Griechin spielen zu können, denn meine Mutter ist Griechin. Außerdem hat Jokaste eine starke Persönlichkeit. Sie zeigt ihre Gefühle und sagt, was sie denkt.“
Corinna

„Ich kommentiere den Verlauf der Geschichte, das gefällt mir.“
Jasper

„Ich bin jedes Mal überrascht, wenn ich von der Sphinx getötet werde.“
Lorenz

„Das einzige, was ich nicht gut finde ist mein rosa Outfit.“
Filip

„Ich finde es gut, dass ich als Periboa Ödipus angenommen habe.“
Julia S.

„Eine dramatische Rolle zu spielen, das gefällt mir.“
Livia

„manchmal bin ich von dem, was ich sage ganz betroffen.“
Bianca

Aufführungen

Montag, 26.05.2003
Dienstag, 27.05.2003

Jeweils um 19.00 Uhr
im Musiksaal des Gymnasiums