Schulgeschichte

Das Rotteck-Gymnasium ist eine moderne Schule mit Geschichte. Sie wurde vor über 160 Jahren gegründet und war die erste Schule Freiburgs mit einer naturwissenschaftlich orientierten Ausbildung. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte der Freiburger Professor für Geschichte und bekannte liberale Politiker Carl von Rotteck die Gründung einer Bürgerschule gefordert, in der nach französischem Vorbild eine umfassende Ausbildung in den Naturwissenschaften angeboten werden sollte. Diese Idee Rottecks, der später auch zum Namenspatron der Schule wurde, setzten die Freiburger mit der Gründung einer "höheren Bürgerschule" im Jahr 1841 in die Tat um. Aus bescheidenen Anfängen heraus entwickelte sie sich bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu einer großen modernen Schule, deren Ausbildung überregional bekannt war: Unter den 1000 Schülern waren auch zahlreiche Gastschüler aus England und den USA und gerade im Bereich der Naturwissenschaften boten die damaligen Lehrer mit Praktika und Experimenten einen sehr fortschrittlichen, ja geradezu Bahn brechenden Unterricht. Richtungsweisend war auch der Versuch der Schule in den 1920er Jahren, in der Oberstufe eine Gabelung des Unterrichts in einen naturwissenschaftlichen und einen sprachlichen Zweig vorzunehmen.

Die Rotteck-Oberrealschule, wie die Schule damals hieß, war lange Zeit eine Anstalt für Jungen. Das Schulgebäude stand an der Stelle der heutigen Universitätsbibliothek gegenüber der Universität und der alten Synagoge. Viele jüdische Schüler besuchten bis zur Mitte der 1930er Jahre die Schule -- wer heute unsere Schule betritt und die Treppe in den ersten Stock benutzt, findet beim Hinaufgehen ein langes Band mit ihren Namen. Den Krieg und das Bombardement der Alliierten im November 1944 überstand das Schulgebäude mit verhältnismäßig geringen Schäden. In der Nachkriegszeit wurde es zwar wieder in Stand gesetzt und ausgebaut, doch Zustand und Ausstattung waren veraltet und die Kapazitäten, z.B. im Sportbereich, blieben sehr begrenzt. Das Vorhaben von Stadt und Land, an der Stelle der damaligen Schule die neue Universitätsbibliothek zu errichten, bot daher der Schulgemeinschaft die Chance auf eine deutliche Verbesserung. Mit der baulichen Konzeption von Holz, Glas und Beton sowie durch eine weiträumige Gestaltung der Flure und Flächen wurde ein modernes Schulgebäude -- eröffnet 1970 -- geschaffen, das heute noch durch seine Großzügigkeit besticht und viele Möglichkeiten für Aufführungen und andere Schulveranstaltungen bietet.

    Schulgeschichte in Stichpunkten

    • Eröffnung als höhere Bürgerschule am 7.6.1841 (Freiburg hat 13341 Einwohner!) im heutigen Augustiner-Museeum mit 29 Schülern
    • Bereits 1842 Umzug in das Predigertor am Fahnenbergplatz (nicht mehr erhalten)
    • Revolution 1848/49 (Hecker-Aufstand in Freiburg)
    • 1864 Umzug ins 'Schwarze Kloster' (heute VHS-Sitz)
    • 13.10.1874 Bezug des Schulneubaus an der Werderstraße
    • Seit 1884 Bezeichnung 'Realschule'
    • Seit 1894/95 'Oberrealschule'
    • Mit 1034 Schülern platzt die Schule 1905 aus allen Nähten. Daher wird 1907 ein Ableger gegründet: Das heutige Kepler-Gymnasium.
    • 25jähriges (1866), 75jähriges (1916) und 100jähriges (1941) Schuljubiläum müssen wegen Kriegen ausfallen!
    • Im 1. Weltkrieg wird die Schule als Lazarett genutzt. Auslagerung der Schüler in Uni-Räume und Kloster St. Ursula
    • Am 30./31.3.1916 vernichtet ein Brand im Dachstuhl Teile der Sammlungen.
    • Wiederbezug des Schulgebäudes 1919
    • 1920 (Weimarer Republik) neuer Schulname: Rotteck-Schule
    • Im 2. Weltkrieg wird das Schulgebäude wiederum beschlagnahmt (Ausweichunterricht im Kepler-/Goethe- und Berthold-Gymnasium - damals anders benannt)
    • Beim englischen Luftangriff auf Freiburg am 27.11.1944 wird das Schulgebäude schwer beschädigt.
    • Nach dem Krieg wird der Unterricht im unbeschädigten Friedrich-Gymnasium im Schichtbetrieb wieder aufgenommen (3000 Schüler teilen sich das Gebäude!)
    • 1951 ist der Wiederaufbau abgeschlossen, aber gleichzeitig werden auch die Mädchen des Goethe-Gymnasiums im Haus unterrichtet (Schichtbetrieb)
    • 1966 125jähriges Jubiläum (Festschrift)
    • 9.9.1970 Bezug des neuen Schulgebäudes an der Lessingstr. / Einführung der Koedukation (Mädchen am Rotteck!). Das alte Schulgebäude wird noch ein Jahr vom Goethe-Gymnasium genutzt (während der Generalsanierung des eigenen Schulhauses) und dann abgerissen, um der Unibibliothek Platz zu machen.
    • 1991 150jähriges Schuljubiläum (Festschrift)
    • 2007 Planung der Generalsanierung der Schule (und des Baus der Angell-Sporthalle)

    Unser Namenspatron Karl von Rotteck

    Seit Ende 1920 trägt unsere Schule den Namen des Freiburger demokratischen Parlamentariers, Historikers und Staatsdenkers Karl von Rotteck (* 18.7.1775, + 26.11.1840).

    Rotteck war seit 1798 Professor der Freiburger Universität gewesen, zuerst nur für Geschichte, von 1818 an auch für Naturrecht und Staatswissenschaft, wurde aber 1832 auf Geheiß der großherzoglich badischen Regierung zwangsweise pensioniert. Durch seine Werke (eine sechsbändige 'Allgemeine Geschichte', ein vierbändiges 'Lehrbuch des Vernunftrechts und der Staatswissenschaften', ein zusammen mit dem Gesinnungsfreund Professor Welcker herausgegebenes 15bändiges 'Staatslexikon') und durch seine journalistische Tätigkeit, vor allem aber auch durch seine unerschrockenen Reden und Anträge in den badischen 'Landständen', deren 1. Kammer er in den Jahren nach 1819 und deren 2. Kammer er von 1830 bis 1840 angehörte, wurde Rotteck in ganz Deutschland als Wortführer des südwestdeutschen Liberalismus bekannt. Die von der Regierung gegen ihn verhängten Strafmaßnahmen - seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand, das Verbot seiner Zeitschrift 'Der Freisinnige' und die Annulierung seiner Wahl zum Freiburger Bürgermeister - vermochten ihn nicht zu beugen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1840 kämpfte er unbeirrt für die Verwirklichung seiner Freiheitsideale.

    Wie aber ist es zu dieser Namensgebung unserer Schule gekommen? Das Protokollbuch vermerkt anlässlich einer Konferenz vom 17.12.1920 u.a. nur lakonisch den Beschluss "Der Beirat wird gebeten dahin zu wirken, dass die Schule den Namen 'Rotteck-Schule' erhält". ... Erstaunlich rasch wurde in der Sitzung des Freiburger Stadtrats im Anschluss an die Vorlage "800jähriges Stadtjubiläum" beschlossen, "das Andenken an Karl von Rotteck in der Weise zu ehren, dass die alte Oberrealschule in der Werderstraße nach ihm genannt werden soll" (Ratsprotokoll 1920, Seite 881). Seither trägt unsere Schule Rottecks Namen. (Zitiert aus der Festschrift zum 125jährigen Schuljubiläum 1966).

    Zitate von Rotteck

    "Ich will die Einheit nicht anders als mit Freiheit, und will lieber Freiheit ohne Einheit, als Einheit ohne Freiheit." ... "Ich wäre nicht wert, Volksdeputierter zu sein, wenn je mich Menschenfurcht abhalten könnte, dem von mir mit Überzeugung erkannten Unrecht und Gemeinübel entgegenzutreten." ... "Ich habe immer Entschiedenheit und Offenheit der Gesinnung und des Ausdrucks geliebt, freimütig habe ich immer meine Meinungen und Ansichten über Sachen und Personen ausgesprochen." ... "Zum Höfling bin ich verdorben, ich bin Volksvertreter." ... "In der Zeit des Entscheidungskampfes...zwischen Freiheit und Sklaverei fällt auf den...der Vorwurf der Pflichtvergessenheit oder des Kleinmuts...wenn er eine Sache für verloren gibt, für welche trotz der Verschwörung übermächtiger Feinde noch tausend und tausend edle Herzen schlagen."

    Karl von Rottecks Grab befindet sich auf dem alten Friedhof in Herdern (in der Südmauer nahe des Ausgangs zur Karlsstraße/Karlsschule - roter großer Sandstein). Neben unserer Schule erinnern an ihn: das Denkmal mit seiner Büste vor dem Kollegiengebäude II der Uni beim Theater (deren von Wolfram Zimmer hergestellter Gipsabdruck in Pappmaché in der Schule steht), die Straße 'Rotteckring' und das Wanderziel 'Rottecksruhe', wo früher der Schönihof stand, der Rotteck zeitweilig gehörte und den er sogar selbst bewirtschaftete.