Generalkonsul James W. Herman – ein amerikanischer Sympathieträger zu Gast am "Rotteck"

|| "I’m Jim" – der Generalkonsul lässt gleich zu Beginn keine Zweifel aufkommen: Ihm geht es um das Gespräch mit Schülern auf Augenhöhe. Und das gelingt: Angenehm verblüfft stellen sich die Jugendlichen erst selbst vor, um dann aus Jim alles Mögliche – und Unmögliche – herauszubekommen.

Ob er denn ein guter Mensch sei, so eine sehr persönliche Frage. Der Generalkonsul zögert nicht lange und gibt sich selbst die Note C, A und B wären besser gewesen. Ganz offensichtlich ging es ihm darum, so kurz nach der Wahl Donald Trumps dem dadurch ausgelösten Misstrauen gegenüber der Politik und um sich greifender Skepsis eine andere Botschaft zu vermitteln. Respekt und die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören, war ein immer wiederkehrendes Motiv in seinen Antworten. Dies motivierte auch die 120 Schülerinnen und Schüler der Kursstufe, anspruchsvolle Themen anzuschneiden. So kam es zu einer vergleichenden Betrachtung des amerikanischen und deutschen Bildungswesens und des Gelingens der Integration von Einwanderern und Flüchtlingen – in beiden Bereichen sieht der Generalkonsul sein Land vorne. Demgegenüber sieht er Deutschland und Europa vorne in der Bereitschaft, notwendige Veränderungen zum Klimaschutz anzugehen, auch sieht er uns beim Umweltschutz im Vorteil. Amerika und Deutschland? Jim Herman schätzt die sehr tiefe Freundschaft zwischen beiden Ländern, ein politisches Pfund, das es zu bewahren gilt. In der gegenseitigen weltpolitischen Abhängigkeit sieht er den Schlüssel zu einer erfolgreichen Gestaltung der Zukunft. Hierzu zählt für ihn – einen ehemaligen Angehörigen der amerikanischen Luftwaffe – auch ein starkes Militär, das entscheidend sei für Stabilität und Wohlstand. Beides sieht er auch durch die Wahl Donald Trumps nicht grundlegend gefährdet. Aus dem Schock, den die große Mehrheit nach der Wahl Trumps und wohl Donald Trump selbst ereilte, macht er keinen Hehl. Entscheidend für die Politik Trumps ist aus seiner Sicht dessen unbedingter Wille, nicht nur als Geschäftsmann, sondern auch als Präsident Erfolg zu haben. Der Senat und das Repräsentantenhaus, so Hermans Prognose, werden ihrerseits dazu beitragen, dass auch die zukünftige amerikanische Politik Erfolge vorweisen kann.

Politischen Erfolg sieht er auch in der Flüchtlingspolitik Angela Merkels, auch wenn es 50 Jahre dauern dürfte, bis alle Zuwanderer integriert sind. Enttäuscht ist er von vielen Ländern Europas, die Deutschland in dieser schwierigen Situation allein ließen. Unseren Politikern, vor allem den etablierten Parteien, rät er in diesem Zusammenhang dringend dazu, die Wählerschichten der AfD nicht zu ignorieren. Da ist wieder seine Leitlinie: respektvoll zuhören, einen Teil der Wählerschaft nicht für dumm erklären, die Menschen in ihren teilweise schwierigen Lebenslagen erreichen und ihre Situation durch konkrete politische Schritte verbessern – nur dies führt zum Erfolg bei den nächsten Bundestagswahlen. Hillary Clintons Wahlkampf erreichte in der großen Mehrheit der Staaten nicht ihre Wählerschaft, Donald Trump hingegen verstand es, mit seinen Botschaften durchzudringen. Werden die großen Parteien Deutschlands daraus etwas lernen? Er lässt dies offen.

Regelrecht aufhorchen ließen seine problematisierenden Ausführungen zu Toleranz, in Abgrenzung zu Respekt. Sieht er Toleranz insofern kritisch, als eine Mehrheit die Auffassungen und Lebensweise einer Minderheit toleriert und damit eine klare Hierarchie zum Ausdruck bringt, präferiert er Respekt, der eine Begegnung zwischen Individuen oder ethnischen Gruppen als Gleichberechtigte ermöglicht.

Die gut einstündige Fragerunde wird zum alle in den Bann ziehenden Erlebnis. Höchst konzentriert, aufmerksam und neugierig lauschen die Jugendlichen den Ausführungen Hermans. Es ist dann am Ende Jim, der eine Botschaft an unsere Schüler/-innen sendet: Er empfiehlt ihnen, sich möglichst umfassend zu bilden, hellwach die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zu verfolgen. Schließlich sind sie es, die in wenigen Jahren als nächste Generation Verantwortung übernehmen und führen müssen.

Der Besuch des Rotteck-Gymnasiums war ein Programmpunkt seines 2-tägigen Freiburg-Besuchs, zu dem ihn das Carl-Schurz-Haus eingeladen hatte. Er war Gast beim Thanksgiving Dinner, nachdem er zuvor das Deutsch-Amerikanische Institut, seine Mitarbeiter/-innen und dessen Angebote für Kinder kennengelernt hatte. Im Rathaus wurde der Generalkonsul von Herrn Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon empfangen. Der Oberbürgermeister organisierte auch eine Führung durch unsere Stadt, zum Beispiel durch Vauban als Vorzeigeprojekt unserer "Green City". Die Begegnung mit Jugendlichen des Rotteck-Gymnasiums bildete den Schlusspunkt seines Besuchsprogramms. Begleitet wurde er von Frau Dr. Gerster und Frau Lee, die im Generalkonsulat Frankfurt für das Programm des Generalkonsuls verantwortlich zeichnen.

James Herman gefiel Freiburg sehr gut, ein erneuter Besuch im kommenden Jahr ist bereits in Vorbereitung. Eine Schwarzwaldwanderung und Mountain Bike-Tour sind beschlossene Programmpunkte – Jim Herman liebt schließlich Natur und Landschaft unserer Regio.

Ein Riesenkompliment verdienen unsere Schülerinnen und Schüler; die von ihnen vorgetragenen Fragen waren sehr breit gestreut, "politically correct", von beeindruckender fremdsprachlicher Qualität und häufig auch sehr unterhaltsam. Unser Gast war beeindruckt, wie er im "Nachklapp" zum Besten gab. Eine besonders herzliches Dankeschön an Herrn Ronnie Wenninger, der mit "seiner" Carl-Schurz-AG diese Veranstaltung äußerst kompetent und umsichtig vorbereitete – von der Dekoration des Freddy-Mayer-Saales über die eigens produzierte "Rotteck-Bilder-Show" bis hin zum Fragenkatalog, wobei er sich auf die sehr kollegiale Unterstützung aus der Fachschaft Englisch verlassen konnte.

Der Besuch unserer Schule wurde zu einem weiteren Leuchtturm-Projekt unserer Partnerschaft mit dem Carl-Schurz-Haus, dem wir an dieser Stelle – vertreten durch Frau Uta Schroeder – ebenfalls besonders herzlich danken.

Eberhard Fugmann